Rohbaumaß und Fertigmaß
Im Plan steht 2910 mm, der Küchenbauer misst 2877 mm. Das muss kein Fehler sein. Oft meint der Plan ein anderes Maß als das Maßband. Hier steht, welches.
Die Begriffe
Rohbaumaß
Das Maß von Bauteilen und Öffnungen im Rohbau, also bevor Putz, Estrich und Bekleidung dazukommen. In Bauzeichnungen stehen in der Regel Rohbaumaße.
Fertigmaß
Was nach allen Schichten übrig bleibt, also das, was Sie im fertigen Raum mit dem Maßband messen.
Lichtes Maß
Der freie Abstand zwischen zwei Bauteilen, etwa von Wand zu Wand. Ein lichtes Maß gibt es im Rohbau wie im fertigen Raum, welches gemeint ist, steht im Plan. Die Wohnfläche wird nach den lichten Maßen zwischen den Bauteilen ermittelt, ab der Vorderkante der Bekleidung (§ 3 Abs. 1 WoFlV).
Baurichtmaß und Nennmaß
Die Maßordnung im Hochbau (DIN 4172) baut auf einem Raster von 12,5 cm auf. Baurichtmaße sind Vielfache davon. Das Nennmaß ist das Maß, das tatsächlich gebaut wird, also mit Blick auf die Fugen. Bei einer Standard-Türöffnung kommen 10 mm auf das Baurichtmaß, aus 875 mm werden 885 mm.
Quellen: Bauprofessor, Bemaßung in Bauzeichnungen; BauNetz Wissen, Steinformat und Maßordnung; Wohnflächenverordnung § 3 (gesetze-im-internet.de).
Was der Putz wegnimmt
Einlagiger Innenputz soll mindestens 10 mm dick sein, stellenweise mindestens 5 mm. Mehrlagiger Innenputz soll im Durchschnitt 15 mm dick sein. Bei einem Maß zwischen zwei Wänden fällt der Putz zweimal an.
Zum Beispiel von oben: Steht die 2910 mm im Plan als Rohbaumaß und trägt der Putz links und rechts je 10 bis 15 mm auf, bleiben 2880 bis 2890 mm. Die gemessenen 2877 mm liegen dann nur noch 3 bis 13 mm darunter, der größte Teil der Differenz ist Putz.
Quelle: Forum Verlag, Leseprobe Putzarten, mit Verweis auf DIN EN 13914-2:2016-09 und DIN 18550-2:2018-01.
Welche Abweichung zulässig ist
Kein Bau wird millimetergenau. Wie viel Abweichung erlaubt ist, regelt DIN 18202 „Toleranzen im Hochbau“, aktuell in der Ausgabe 2019-07. Die Werte beziehen sich auf die Nennmaße in den Ausführungszeichnungen.
| Grenzabweichung in mm | bis 1 m | über 1 bis 3 m | über 3 bis 6 m | über 6 bis 15 m |
|---|---|---|---|---|
| Maße im Grundriss | ±10 | ±12 | ±16 | ±20 |
| Lichte Maße im Grundriss | ±12 | ±16 | ±20 | ±24 |
| Öffnungen, Laibung noch roh | ±10 | ±12 | ±16 | nicht angegeben |
| Öffnungen, Laibung fertig | ±8 | ±10 | ±12 | nicht angegeben |
Die Tabelle hilft beim Einordnen, sie ersetzt keine Bewertung. Ob eine Abweichung im Einzelfall ein Mangel ist, hängt vom Vertrag und vom Bezugsmaß ab und gehört in die Hände eines Sachverständigen.
Werte aus DIN 18202, Tabelle 1, Zeilen 1, 3, 5 und 6, wiedergegeben von WEKA. Laut WEKA hat die Ausgabe 2019 diese Zahlen gegenüber 2013 nicht geändert. Der Normtext selbst ist nicht frei verfügbar.
Türöffnungen
Bei Türen wird das Prinzip gut sichtbar. Nach DIN 18101 gehört zu einem gefälzten Standard-Türblatt von 860 × 1985 mm eine Wandöffnung von 885 × 2005 mm. Die stammt aus dem Baurichtmaß 875 × 2000 mm. In Plänen stehen Öffnungen als Bruch, Breite über Höhe.
Einzelne Tabellen nennen für dieselbe Tür eine Öffnungshöhe von 2010 mm. Auf welche Fußbodenhöhe sich die Höhe bezieht, steht in der Legende des Plans, mehr dazu im nächsten Abschnitt. Vor einer Bestellung zählt die Maßtabelle des Herstellers.
Quellen: BauNetz Wissen, Wandöffnungen und Türgrößen nach DIN 18101; Maßtabelle des Herstellers Konold; DIN 18101:2014-08.
Höhen: OKRF und OKFF
Bei Höhen läuft es genauso. OKRF steht für Oberkante Rohfußboden, OKFF für Oberkante Fertigfußboden. Dazwischen liegt der Fußbodenaufbau mit Dämmung, Estrich und Belag, und der hängt vom Projekt ab. Brüstungshöhen stehen zum Beispiel als BRH im Plan, die lichte Höhe als LH.
Auf welche Kante sich die Maße beziehen, legt jeder Plan selbst fest. In einem veröffentlichten Genehmigungsplan der Stadt Münster steht zum Beispiel, dass sich alle Öffnungsmaße und Brüstungshöhen auf OKFF beziehen. Prüfen Sie deshalb zuerst die Legende.
Quelle: Genehmigungsplan im Ratsinformationssystem der Stadt Münster (Legende).
Was das für Ihren Plan heißt
Für Küche, Einbauschrank oder Bodenbelag zählt das Fertigmaß. Messen Sie nach dem Putz nach, bevor Sie bestellen. Für Flächen gilt dasselbe: Die Wohnfläche rechnet mit lichten Maßen, mehr dazu unter Wohnflächenberechnung.
Wenn Sie einen alten Papierplan mit FloorBotter digitalisieren, tragen Sie die Referenzmaße selbst ein. Bleiben Sie dabei bei einer Sorte: entweder durchgehend Rohbaumaße aus dem Plan oder durchgehend nachgemessene Fertigmaße. Was die Striche und Zeichen im Plan bedeuten, erklärt die Seite Grundriss-Symbole, den Maßstab prüfen Sie mit dem Maßstabsrechner.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Rohbaumaß und Fertigmaß?
Das Rohbaumaß gilt für den Rohbau, also vor Putz, Estrich und Bekleidung. Das Fertigmaß ist das, was nach allen Schichten übrig bleibt. In Bauzeichnungen stehen in der Regel Rohbaumaße. Welcher Bezug gilt, steht in der Legende des Plans.
Wie viel nimmt der Putz von einem Raummaß weg?
Einlagiger Innenputz soll mindestens 10 mm dick sein, stellenweise mindestens 5 mm, mehrlagiger im Durchschnitt 15 mm. Bei einem Maß zwischen zwei Wänden fällt die Putzdicke zweimal an. Mit 10 bis 15 mm je Seite sind das 20 bis 30 mm.
Welche Maßabweichung ist am Bau zulässig?
Die Grenzabweichungen regelt DIN 18202. Für lichte Maße im Grundriss über 1 bis 3 m nennt Tabelle 1 der Norm ±16 mm, für Maße im Grundriss in derselben Spanne ±12 mm. Ob im Einzelfall ein Mangel vorliegt, beurteilt ein Sachverständiger.
Welche Maße hat die Wandöffnung einer Standard-Innentür?
Nach DIN 18101 gehört zu einem gefälzten Türblatt von 860 × 1985 mm eine Wandöffnung von 885 × 2005 mm, abgeleitet aus dem Baurichtmaß 875 × 2000 mm. Einzelne Tabellen nennen für die Höhe 2010 mm. Auf welche Fußbodenhöhe sich die Höhe bezieht, steht in der Legende des Plans. Vor der Bestellung zählt die Herstellerangabe.
Was bedeuten OKRF und OKFF im Plan?
OKRF ist die Oberkante Rohfußboden, OKFF die Oberkante Fertigfußboden. Der Unterschied ist der Fußbodenaufbau aus Dämmung, Estrich und Belag. Wie dick er ist, hängt vom Projekt ab.
