Flucht- und Rettungsplan aus dem Grundriss
Ein Flucht- und Rettungsplan ist zuerst ein Grundriss. Darauf liegen Fluchtwege, Feuerlöscher und der Punkt „Standort“. Fehlt ein brauchbarer Grundriss, etwa weil von dem Bürohaus nur eine Lichtpause aus der Bauakte existiert, fängt die Arbeit dort an. Hier steht, was die Regeln verlangen und was das für die Vorlage heißt.
Wann ein Plan nötig ist
Die Pflicht steht in § 4 Abs. 4 der Arbeitsstättenverordnung. Der Arbeitgeber hat einen Flucht- und Rettungsplan aufzustellen, „wenn Lage, Ausdehnung und Art der Benutzung der Arbeitsstätte dies erfordern“. Der Plan wird an geeigneten Stellen ausgelegt oder ausgehängt, und nach ihm wird in angemessenen Abständen geübt.
Wann das der Fall ist, erläutert die Technische Regel ASR A2.3 in Abschnitt 10 mit vier Beispielen. Ein Plan kann danach etwa nötig sein, wenn der Fluchtweg unübersichtlich verläuft, über Zwischengeschosse, durch größere Räume oder gewinkelt. Ebenso bei vielen ortsunkundigen Personen, also bei Publikumsverkehr, bei erhöhter Gefährdung und bei Gefährdungen aus benachbarten Arbeitsstätten. Die ASR A2.3 verlangt, neben den Beschäftigten auch andere anwesende Personen zu berücksichtigen.
Für Sonderbauten können Landesverordnungen eigene Pläne verlangen. In Bayern muss in jedem Gästezimmer einer Beherbergungsstätte am Ausgang ein Rettungswegplan hängen (§ 11 Abs. 2 BStättV). Die Verordnung gilt dort ab mehr als 30 Gastbetten und nicht für Ferienwohnungen. Diese Werte gelten nur für Bayern. Ob für ein bestimmtes Gebäude eine Pflicht besteht, klären Sie im Zweifel mit der Bauaufsicht oder der Brandschutzdienststelle.
Quellen: ArbStättV § 4 Abs. 4 (gesetze-im-internet.de, zuletzt geändert 27.03.2024); ASR A2.3 „Fluchtwege und Notausgänge“, Ausgabe März 2022, GMBl 2022 S. 227, zuletzt geändert GMBl 2024 S. 913, Abschnitte 2 und 10 (baua.de); BayBStättV §§ 1, 2 und 11 (gesetze-bayern.de). Abgerufen am 29.10.2026.
Was auf den Plan gehört
Wie der Plan aussieht, regelt eine zweite Technische Regel: die ASR A1.3 zur Sicherheitskennzeichnung, Abschnitt 6. Darauf verweist die ASR A2.3 selbst. Als grafische Darstellung verlangt sie diese Inhalte:
| Inhalt | Pflicht |
|---|---|
| Gebäudegrundriss oder Teile davon | immer |
| Verlauf der Hauptfluchtwege | immer |
| Lage der Erste-Hilfe-Einrichtungen | immer |
| Lage der Brandschutzeinrichtungen | immer |
| Standort des Betrachters | immer |
| Ausgänge von Nebenfluchtwegen | soweit vorhanden |
| Sammelstellen | soweit vorhanden |
Dazu kommen Regeln für das Verhalten bei Brand und Unfall. Sie stehen direkt auf dem Plan oder hängen daneben. Den Plan selbst legen Sie farbig an.
Quelle: ASR A1.3 „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung“, Ausgabe Februar 2013, GMBl 2013 S. 334, zuletzt geändert GMBl 2022 S. 242, Abschnitt 6 Abs. 1 bis 5 (baua.de, abgerufen am 29.10.2026).
Maßstab, Format und Ausrichtung
Den Grundriss stellen Sie nach ASR A1.3 vorzugsweise im Maßstab 1:100 dar. Die Plangröße richtet sich nach der Größe des Grundrisses und sollte DIN A3 nicht unterschreiten. Für Hotel- oder Klassenzimmer reicht auch DIN A4. Zeigt ein Plan nur einen Teil des Gebäudes, braucht er eine Übersichtsskizze, auf der die Lage im ganzen Komplex zu sehen ist.
Der Plan muss lagerichtig sein, also zum Standort des Betrachters passend ausgerichtet. Ausgehängt wird er zum Beispiel vor Aufzügen, in Eingangsbereichen, vor Treppen und an Kreuzungen von Verkehrswegen.
Die Gestaltung im Einzelnen beschreibt die Norm DIN ISO 23601, aktuell in der Ausgabe 2021-11. Die Feuerwehr Wilhelmshaven gibt sie in ihrem Merkblatt so wieder: weißer Hintergrund, schwarze Umrisse, Fluchtwege in Grün, der Standort als blauer Punkt mit dem Wort „Standort“. Auf den Plan gehören Planersteller, Datum und Revisionsnummer. Prüfen Sie das Verhältnis Ihres Plans zum Maßstab 1:100 mit dem Maßstabsrechner.
Quellen: ASR A1.3 Abschnitt 6 Abs. 5 und 6; ASR A2.3 Abschnitt 10 Abs. 3 (baua.de); DIN Media, Produktseite DIN ISO 23601:2021-11; Feuerwehr Wilhelmshaven, Hinweise und Empfehlungen Flucht- und Rettungspläne, Version 02-2021, Abschnitte 3.6 bis 3.9. Der Normtext selbst ist nicht frei verfügbar.
Welcher Grundriss als Vorlage taugt
Ein Bauplan zeigt mehr, als ein Fluchtplan braucht. Die Feuerwehr Wilhelmshaven beschreibt den Detailplan als aufs Wesentliche reduzierten Grundriss eines Geschosses, aus dem unwichtige Einzelheiten entfernt werden.
Wichtiger als die Optik ist der Stand. Die ASR verlangt einen aktuellen Plan. Ein Genehmigungsplan von 1985 zeigt das Gebäude von 1985. Wurde seitdem ein Flur geteilt oder eine Tür zugemauert, führt der Fluchtweg im Plan durch eine Wand. Gehen Sie den Grundriss deshalb vor Ort ab, bevor er die Vorlage wird.
Liegen gar keine Pläne vor, nennt die Berufsgenossenschaft BGN zwei Wege: einen vorhandenen Gebäude- oder Etagengrundriss als Bild einfügen oder den Grundriss selbst herstellen. Wo alte Pläne zu finden sind, steht unter Alten Grundriss finden. Wie Sie einen Papierplan so abfotografieren, dass er sich entzerren lässt, zeigt Papierplan richtig fotografieren.
FloorBotter macht aus dem Foto eines Papierplans einen sauberen, bemaßten Grundriss. Sie laden das Foto hoch, markieren die Ecken und tragen Referenzmaße ein. Das geht auch bei alten Plänen, solange die Maße lesbar sind. Fluchtwege, Sicherheitszeichen und den Standort zeichnet FloorBotter nicht ein. Die ergänzen Sie selbst oder ein Fachbetrieb nach ASR A1.3 und DIN ISO 23601. Ein Plan, der aus einer alten Vorlage rekonstruiert ist, zeigt den Stand dieser Vorlage und ersetzt kein Aufmaß.
Quellen: Feuerwehr Wilhelmshaven, Merkblatt 02-2021, Abschnitt 2.1; ASR A2.3 Abschnitt 10 Abs. 2; BGN Branchenwissen, Flucht- und Rettungsplan selbst erstellen (aktualisiert 19.10.2026).
Abgrenzung zum Feuerwehrplan
Feuerwehrpläne nach DIN 14095, aktuell Ausgabe 2025-07, haben ein anderes Publikum. Sie dienen der Feuerwehr zur Vorbereitung des Einsatzes und müssen den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort entsprechen. Das Merkblatt der Feuerwehr Schwerin trennt sie ausdrücklich von Brandschutz- sowie Flucht- und Rettungsplänen. Dort geht ein Musterexemplar zur Prüfung an die Berufsfeuerwehr, bevor der Plan gedruckt wird.
Verlangt werden Feuerwehrpläne für bestimmte Gebäude. Die bayerische Versammlungsstättenverordnung schreibt in § 42 Abs. 3 vor, sie im Einvernehmen mit der Brandschutzdienststelle anzufertigen und der örtlichen Feuerwehr zur Verfügung zu stellen.
Quellen: DIN Media, Produktseite DIN 14095:2025-07; Landeshauptstadt Schwerin, Merkblatt zur Erstellung von Feuerwehrplänen, Stand 05.06.2024; BayVStättV § 42 Abs. 3 (gesetze-bayern.de).
Aktuell halten und üben
Eine feste Prüffrist für Flucht- und Rettungspläne steht in den ASR nicht. Sie verlangen, dass der Plan aktuell ist. Die Feuerwehr Wilhelmshaven schreibt, dass Veränderungen an der baulichen Anlage immer zu einer Überprüfung führen. WEKA nennt Änderungen an Fluren, Türen oder Fluchtwegen als Anlass, die Pläne zu prüfen.
Beschäftigte werden nach ASR A2.3 mindestens jährlich unterwiesen, und ein notwendiger Plan gehört in diese Unterweisung. Für Evakuierungsübungen hält ein Hinweis in der ASR fest, dass sich Abstände von 2 bis 5 Jahren in der Praxis bewährt haben. Für Feuerwehrpläne gilt nach DIN 14095 eine Prüfung mindestens alle zwei Jahre.
Was die Zeichen im Bestandsplan bedeuten, erklärt die Seite Grundriss-Symbole, welche Wege es zum digitalen Bestandsplan gibt, steht unter Bestandspläne digitalisieren.
Quellen: ASR A2.3 Abschnitt 11 Abs. 1 und 2 (baua.de); Feuerwehr Wilhelmshaven, Merkblatt 02-2021, Abschnitt 2.5; WEKA, Flucht- und Rettungsplan selbst erstellen (24.02.2022); DIN Media, Produktseite DIN 14095:2025-07.
Häufige Fragen
Wer muss einen Flucht- und Rettungsplan aufstellen?
Nach § 4 Abs. 4 ArbStättV der Arbeitgeber, wenn Lage, Ausdehnung und Art der Benutzung der Arbeitsstätte es erfordern. Die ASR A2.3 nennt Beispiele, wann er nötig sein kann: verwinkelte Fluchtwege, viele ortsunkundige Besucher, erhöhte Gefährdung. Für Sonderbauten können Landesverordnungen eigene Pläne verlangen, in Bayern etwa einen Rettungswegplan in jedem Gästezimmer von Beherbergungsstätten mit mehr als 30 Betten.
In welchem Maßstab wird der Grundriss dargestellt?
Nach ASR A1.3 Abschnitt 6 vorzugsweise im Maßstab 1:100. Der Plan soll nicht kleiner als DIN A3 sein, für Hotel- oder Klassenzimmer ist auch DIN A4 möglich. Zeigt der Plan nur einen Teil des Gebäudes, gehört eine Übersichtsskizze dazu.
Kann ich einen alten Bauplan als Grundlage nehmen?
Ja, wenn er den heutigen Zustand zeigt. Die ASR verlangt, dass der Plan aktuell ist. Wurden seit dem Bauantrag Wände versetzt oder Türen zugemauert, stimmt der alte Plan nicht mehr. Gleichen Sie ihn deshalb vor Ort mit dem Bestand ab.
Was ist der Unterschied zum Feuerwehrplan?
Der Flucht- und Rettungsplan hängt für die Menschen im Gebäude an der Wand. Der Feuerwehrplan nach DIN 14095 ist ein Hilfsmittel für den Einsatz der Feuerwehr. In Schwerin zum Beispiel prüft die Berufsfeuerwehr ein Musterexemplar, bevor er gedruckt wird.
Wie oft muss der Plan geprüft werden?
Eine feste Frist nennt die ASR nicht, der Plan muss aktuell sein. Die Feuerwehr Wilhelmshaven schreibt, dass bauliche Veränderungen immer zu einer Überprüfung führen. Unterweisen müssen Arbeitgeber nach ASR A2.3 mindestens jährlich, und der Plan gehört dazu. Für Feuerwehrpläne nennt DIN 14095 eine Prüfung mindestens alle zwei Jahre.
