Leitfaden

Papierplan richtig fotografieren

Ein DIN-A3-Grundriss aus dem Aktenordner, zweimal gefaltet, die Maßzahlen kaum zwei Millimeter hoch. Ob daraus ein brauchbarer digitaler Plan wird, entscheidet sich beim Foto. Hier steht, worauf es dabei ankommt, mit Quellen aus Archiven und Fachliteratur.

Die Kamera parallel zum Blatt halten

Stehen Kamera und Blatt nicht parallel zueinander, laufen die Kanten im Bild zusammen. Aus dem rechteckigen Plan wird ein Trapez. Das Objektiv kann dafür nichts, es liegt allein am Winkel.

gerade von obenschräg fotografiert

Ein Skript der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle beschreibt die richtige Position so: Die Mitte der Vorlage liegt in der Mitte des Suchers, und die Seiten der Vorlage laufen parallel zu den Seiten des Suchers. Für den Plan auf dem Tisch heißt das: Halten Sie das Handy waagerecht über die Mitte des Blatts und richten Sie die Blattkanten am Bildrand aus.

Quellen: Carl Zeiss, Fachartikel „Verzeichnung“ (2009), S. 23; Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Skript „Fotografieren eigener Arbeiten“, S. 2 und 4.

Alle vier Ecken mit Rand ins Bild

Ein leicht schräges Foto lässt sich rechnerisch entzerren. In der Photogrammetrie heißt das ebene Entzerrung. Dafür braucht die Rechnung mindestens vier Punkte, deren Lage im Bild und in der Wirklichkeit bekannt ist. Die Punkte sollen den Bereich umschließen, der entzerrt werden soll. Beim Plan sind das die vier Ecken.

Die DFG empfiehlt in ihren Praxisregeln, Blätter immer vollständig und mit einem leichten Rand rundherum aufzunehmen. Dann sieht jeder, dass nichts abgeschnitten ist. Schneidet Ihr Foto eine Ecke ab, fehlt der Rechnung genau dieser Punkt.

Die Entzerrung hat zwei Grenzen. Was nicht flach in der Ebene liegt, etwa eine Welle oder ein hochstehender Knick, landet nach der Rechnung an der falschen Stelle. Und bei einer schrägen Aufnahme ist der hintere Teil des Blatts schlechter aufgelöst als der vordere. Kleine Maßzahlen am hinteren Rand können dann unlesbar werden, auch wenn das Bild danach gerade aussieht.

Quellen: VGI, Österreichische Zeitschrift für Vermessung und Geoinformation 84 (1), 1996, „Die digitale ebene Entzerrung“, TU Wien, S. 58 und 59; DFG-Praxisregeln „Digitalisierung“, Fassung 2022, Abschnitt 3.2.2.1.

Licht von zwei Seiten, keine Schatten

Für Reproduktionen flacher Vorlagen beschreibt das Skript aus Halle einen festen Aufbau. Zwei Lampen mit gleicher Leistung stehen im gleichen Abstand links und rechts der Vorlage. Das Licht fällt in einem Winkel von etwa 45 Grad auf das Blatt. Ziel ist eine gleich helle Fläche ohne Schatten.

Spiegelt die Vorlage, stellen Sie die Lampen flacher. Auch ein Polarisationsfilter hilft. Achten Sie auch darauf, dass Sie selbst mit Kopf und Handy keinen Schatten auf die Maßketten werfen.

Im Archiv gelten eigene Regeln. Das Stadtarchiv Nürnberg erlaubt Fotos mit Handy oder Tablet für die private Nutzung, aber ohne Blitzlicht und ohne Stativ. Die Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz gestattet eigene Geräte ebenfalls ohne Blitz, in Koblenz nur am Aufnahmetisch.

Quellen: Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Skript „Fotografieren eigener Arbeiten“, S. 2; Stadtarchiv Nürnberg, Hinweise zum Fotografieren im Lesesaal (2022); Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Benutzungshinweise, Stand Juni 2025, S. 3.

Weitwinkel verbiegt gerade Linien

Verzeichnung betrifft vor allem Weitwinkelobjektive. Bei tonnenförmiger Verzeichnung bekommt ein Rechteck im Bild einen Bauch, und der Fehler wächst meist zum Bildrand hin. Zeiss nennt minus 5 Prozent in der Bildecke als typischen Wert vieler Zoomobjektive bei kürzester Brennweite.

Das Skript aus Halle empfiehlt für flache Vorlagen mindestens 50 mm Brennweite, umgerechnet auf Kleinbild, besser 70 bis 100 mm. Für einen Grundriss heißt das: Lange Außenwände am Bildrand können sich leicht durchbiegen. Schieben Sie den Plan deshalb nicht bis an den Rand des Bildes.

Quellen: Carl Zeiss, Fachartikel „Verzeichnung“ (2009), S. 2, 4 und 7; Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Skript „Fotografieren eigener Arbeiten“, S. 1.

Genug Auflösung für kleine Maßzahlen

Die DFG-Praxisregeln „Digitalisierung“ in der Fassung von 2022 nennen als Grundregel mindestens 300 ppi, bezogen auf das Format des Originals. Bei Text mit Zeichen ab 1,0 mm Größe sollen es 400 ppi sein, erst ab 1,5 mm reichen 300 ppi. Für detailreiche große Formate gilt ebenfalls mindestens 300 ppi. Die Regeln richten sich an Digitalisierungsprojekte von Bibliotheken und Archiven. Für Ihr Handyfoto sind sie ein Anhaltspunkt, keine Pflicht.

Blattbei 300 ppibei 400 ppi
DIN A4 (210 × 297 mm)rund 8,7 Megapixelrund 15,5 Megapixel
DIN A3 (297 × 420 mm)rund 17,4 Megapixelrund 30,9 Megapixel
DIN A2 (420 × 594 mm)rund 34,8 Megapixelrund 61,9 Megapixel

Die Tabelle ist eine eigene Rechnung nach dem Rechenweg der DFG: Blattmaß in Zoll mal ppi ergibt die nötigen Pixel je Seite. Der Rand ums Blatt kostet zusätzlich Pixel. Reicht die Kamera für ein großes Blatt nicht, gehen Sie mit dem Handy nicht schräg näher heran. Ein gerades Foto mit etwas weniger Auflösung ist besser als ein schräges.

Quelle: DFG-Praxisregeln „Digitalisierung“, aktualisierte Fassung 2022, Abschnitte 3.2.1.1, 3.2.2.1 und 3.2.2.2, S. 16 und 22. Megapixelwerte eigene Rechnung.

Alte Pläne schonend behandeln

Gerollte oder gefaltete Pläne liegen nicht von selbst flach. Das Grundlagenpapier der Archivverwaltungen von Bund und Ländern von 2019 nennt Glasplatten als Hilfe gegen Unebenheiten. Ist das Papier verspannt, können aus Wellen Falten oder Risse werden. Dann halten Gewichte oder Magnete das Blatt besser an einzelnen Stellen. Das LWL-Archivamt für Westfalen nennt dafür Sandsäckchen oder glatte, saubere Gewichte.

Klebeband gehört nicht auf den Plan. Das LWL-Archivamt rät von Tesafilm und anderen Selbstklebeprodukten ab, auch von Streifen, die als alterungsbeständig verkauft werden. Laut Bundesarchiv schädigt Tesafilm das Papier langfristig stark.

Ist Ihr Plan eine Lichtpause nach dem Diazoverfahren, ist Vorsicht mit Licht angebracht. Die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts beschreibt solche Diazotypien als sehr säure- und lichtempfindlich. Lassen Sie den Plan deshalb nicht stundenlang in der Sonne liegen, und legen Sie ihn nach dem Foto zurück in die Mappe.

Quellen: Grundlagenpapier „Archiv- und Bibliotheksgut schonend digitalisieren“, Mai 2019, S. 10; LWL-Archivamt für Westfalen, „Handhabung und Aufbewahrung von Dokumenten“ (2020), S. 4 und 5; Bundesarchiv, „Sachgerechte Lagerung von Papierakten“, Stand Juni 2025; KEK, Glossar, Eintrag „Diazotypie“.

Fotos bei der Bauakteneinsicht

Wer keinen eigenen Plan hat, kann in der Bauakte danach suchen. Ob Sie dort selbst fotografieren dürfen, legt jede Stelle fest. Drei Beispiele:

  • Bauaufsicht Hanau: Fotos mit eigener Kamera oder eigenem Smartphone sind während der Akteneinsicht erlaubt und kostenlos.
  • Bauaufsicht Peine: Abfotografieren der Bauvorlagen ist möglich, in der Regel fällt dafür nur die Mindestgebühr von 14 Euro an.
  • Stadtarchiv Augsburg: Eigene Fotos von Bauakten sind nicht mehr erlaubt, weil die Akten personenbezogene Daten enthalten (Stand 07.10.2026).

Fragen Sie deshalb vor dem Termin nach. Wo die Akten liegen und wer Einsicht bekommt, steht unter Alten Grundriss finden.

Quellen: Stadt Hanau, Merkblatt Bauakteneinsicht, S. 2; Stadt Peine, Antrag auf Einsichtnahme in Bauakten (abgerufen 16.10.2026); Stadtarchiv Augsburg, Einsicht in Bauakten (Stand 07.10.2026).

Vom Foto zum Grundriss

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege verlangt in seinem Leitfaden für Dokumentationen, bei Detailaufnahmen einen Maßstab beizufügen. Für ein Planfoto hilft ein Zollstock neben dem Blatt beim Nachprüfen, ob Maßstab und Maßzahlen zusammenpassen. Rechnen können Sie das mit dem Maßstabsrechner.

In FloorBotter laden Sie das Foto hoch, markieren die vier Ecken des Plans und tragen Referenzmaße ein. Daraus entsteht ein sauberer, bemaßter Grundriss, auch bei alten Papierplänen, solange die Maße lesbar sind. Fotografieren geht mit dem Handy, bearbeiten am besten am Rechner. Ob Sie die Maße aus dem Plan als Rohbaumaße oder nachgemessene Fertigmaße eintragen, erklärt die Seite Rohbaumaß und Fertigmaß.

Soll die Fläche rechtlich verbindlich sein, etwa im Mietvertrag, ersetzt ein aus einer Vorlage rekonstruierter Plan kein Aufmaß vor Ort. Welche Wege es außer dem Foto gibt, vergleicht die Seite Bestandspläne digitalisieren.

Quelle: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Leitfaden für Dokumentationen in der Bau- und Kunstdenkmalpflege (2024), S. 3.

Häufige Fragen

Warum sieht der Plan auf dem Foto schief aus?

Wenn Kamera und Blatt nicht parallel sind, laufen die Kanten des Blatts im Bild zusammen. Das ist kein Fehler des Objektivs, sondern eine Folge des Winkels. Halten Sie die Kamera gerade über die Mitte des Plans, sodass die Blattkanten parallel zum Bildrand liegen.

Lässt sich ein schräges Foto nachträglich gerade rechnen?

Bei leichter Schräglage ja. Für eine ebene Vorlage reichen dafür vier bekannte Punkte, die den Bereich umschließen. Zwei Grenzen bleiben: Wellen und Knicke im Papier liegen nicht in der Ebene und werden versetzt abgebildet, und der hintere Teil einer schrägen Aufnahme ist schlechter aufgelöst.

Welche Auflösung braucht ein Planfoto?

Die DFG-Praxisregeln Digitalisierung von 2022 nennen mindestens 300 ppi bezogen auf das Original, für Text mit Zeichen ab 1,0 mm Größe 400 ppi. Für ein DIN-A3-Blatt sind das nach eigener Rechnung rund 17 Megapixel bei 300 ppi und rund 31 Megapixel bei 400 ppi. Die Regeln richten sich an Bibliotheken und Archive, für ein Handyfoto sind sie Orientierung.

Darf ich die Pläne bei der Bauakteneinsicht fotografieren?

Das regelt jede Stelle selbst. Die Bauaufsicht Hanau erlaubt Fotos mit Kamera oder Smartphone kostenlos, in Peine ist das Abfotografieren der Bauvorlagen möglich, in der Regel zur Mindestgebühr von 14 Euro. Das Stadtarchiv Augsburg erlaubt bei Bauakten keine eigenen Fotos mehr (Stand 07.10.2026). Fragen Sie vor dem Termin nach.

Wie bekomme ich einen gefalteten Plan flach?

Archive beschweren solche Blätter mit Gewichten, Sandsäckchen oder Glasplatten. Ist das Papier verspannt, sind Gewichte an einzelnen Stellen besser als eine Platte, weil sonst Falten oder Risse drohen. Klebeband gehört nicht auf den Plan.

Planfoto in einen sauberen Grundriss verwandeln

Foto vom Papierplan hochladen, Ecken markieren, Referenzmaße eintragen. Neue Konten bekommen 30 Tokens zum Start, ein vollständiger Plan ist damit ohne Zahlung möglich.