Leitfaden

Planarten im Bau unterscheiden

Ein Grundriss aus dem Ordner des Vorbesitzers, 1:100, mit einem Vermerk der Behörde. Ein zweiter vom selben Haus, 1:50, voller Maße. Beide zeigen das Erdgeschoss, aber sie stammen aus verschiedenen Phasen der Planung. Was das für die Maße heißt, steht hier.

Die Planarten im Überblick

Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) teilt die Planung eines Gebäudes in neun Leistungsphasen. Für Grundrisse zählen vor allem die Phasen 2 bis 5. Jede liefert eigene Zeichnungen mit eigenem Zweck.

LeistungsphasePlanMaßstab laut HOAIMaßstab laut Lehrbuch
2 VorplanungVorentwurfnach Art und Größe des Objekts1:200 oder 1:500
3 EntwurfsplanungEntwurfbei Gebäuden zum Beispiel 1:1001:100
4 GenehmigungsplanungGenehmigungsplan (Bauvorlage)keine Angabe, Landesrecht (Bayern 1:100)1:100
5 AusführungsplanungWerkplan (Ausführungszeichnung)bei Gebäuden zum Beispiel 1:50 bis 1:11:50, Details 1:20 bis 1:1

Den Bestandsplan finden Sie in dieser Tabelle nicht. Er gehört nicht zu den Grundleistungen der Phasen 2 bis 5, mehr dazu weiter unten.

Quellen: HOAI § 34 und Anlage 10 (gesetze-im-internet.de); BayBauVorlV § 8 Abs. 1 (gesetze-bayern.de); Europa-Lehrmittel, Bautechnik Technisches Zeichnen, 8. Auflage 2021, Tabelle „Maßstäbe im Bauwesen“. Alle abgerufen 03.11.2026.

Vorentwurf und Entwurf

In der Vorplanung vergleicht der Planer Varianten. Die HOAI nennt dafür keinen festen Maßstab, das Lehrbuch Bautechnik Technisches Zeichnen nennt 1:200 oder 1:500.

Der Entwurf aus Phase 3 ist bei Gebäuden zum Beispiel 1:100 gezeichnet. Finden Sie im Ordner einen Plan mit dem Wort „Entwurf“ im Schriftfeld, ist das der Stand vor der Genehmigung. Was danach geändert wurde, zeigt er nicht.

Quellen: HOAI Anlage 10, Leistungsphasen 2 und 3; Europa-Lehrmittel, Bautechnik Technisches Zeichnen, 8. Auflage 2021. Abgerufen 03.11.2026.

Der Genehmigungsplan

In Phase 4 stellt der Planer die Vorlagen für die Baugenehmigung zusammen und reicht sie ein. Zu diesen Bauvorlagen gehören die Bauzeichnungen: Grundrisse, Schnitte, Ansichten. Was sie zeigen müssen, regelt jedes Land selbst. In Bayern gilt der Maßstab 1:100, größer, wenn die nötigen Eintragungen sonst keinen Platz hätten.

Bei Umbauten hilft die Farbe beim Lesen. Nach der bayerischen Bauvorlagenverordnung sind vorhandene Bauteile grau, geplante rot und Bauteile, die wegfallen, gelb. Bekommt ein Dachgeschoss in Regensburg eine Gaube, sind im Antrag die alten Wände grau und die Gaube rot.

Nach der Genehmigung bekommt der Bauherr in Bayern eine Ausfertigung der Bauvorlagen mit Genehmigungsvermerk zugestellt. Die Gemeinde erhält die Bauvorlagen ebenfalls. In München liegen die genehmigten Baupläne mit den Bescheiden in den Bestandsakten der Lokalbaukommission. Wie Sie an diese Akten kommen, erklärt die Seite Alten Grundriss finden, was eine Bauzeichnung für den Antrag enthalten muss, steht unter Bauzeichnungen für den Bauantrag.

Ein Genehmigungsplan zeigt, was genehmigt wurde. Ob genau so gebaut wurde, steht nicht darin.

Quellen: HOAI Anlage 10, Leistungsphase 4; BayBauVorlV § 8 Abs. 1 und 4 mit Anlage 1; BayBO Art. 68 Abs. 3; Landeshauptstadt München, Registratur Bauvorhaben. Alle abgerufen 03.11.2026.

Der Werkplan

Werkpläne sind Ausführungszeichnungen aus Phase 5. Nach ihnen wird gebaut. Die HOAI verlangt hier alle für die Ausführung notwendigen Einzelangaben, auf der Grundlage von Entwurf und Genehmigung. Das Lehrbuch Bautechnik Technisches Zeichnen formuliert es so: Einer Ausführungszeichnung müssen alle notwendigen Maße ohne zusätzliches Rechnen entnommen werden können.

Für Gebäude nennt die HOAI Maßstäbe von 1:50 bis 1:1. Während der Bauzeit schreibt der Planer die Ausführungsplanung fort, das gehört zu seinen Grundleistungen. Haben Sie mehrere Fassungen desselben Werkplans, zeigt die mit dem jüngsten Datum den späteren Stand der Planung.

Auch die Toleranzen hängen am Werkplan. Die Grenzabweichungen nach DIN 18202 beziehen sich auf die Nennmaße in den Ausführungszeichnungen. Welche Abweichungen das sind, zeigt die Tabelle unter Rohbaumaß und Fertigmaß.

Quellen: HOAI Anlage 10, Leistungsphase 5 a, b und e; Europa-Lehrmittel, Bautechnik Technisches Zeichnen, 8. Auflage 2021; BauNetz Wissen, Glossar Ausführungsplanung; WEKA, Maßtoleranzen bei Beton- und Stahlbetonarbeiten. Alle abgerufen 03.11.2026.

Der Bestandsplan

Alle Pläne oben zeigen ein Haus, das noch gebaut werden soll. Ein Bestandsplan zeigt das Haus, wie es heute steht. Wer ihn braucht, lässt den Bestand aufnehmen. Die HOAI führt die Bestandsaufnahme als Besondere Leistung in Phase 1, also als Zusatzauftrag an den Planer. Die Bayerische Architektenkammer nennt für das Bauen im Bestand dazu das Bestandsaufmaß, das Beschaffen von Archivplänen und das Digitalisieren von Bestandsplänen.

Ein Fall, in dem ein Bestandsplan Pflicht ist: Wer ein bestehendes Mehrfamilienhaus in Eigentumswohnungen aufteilt, braucht eine Abgeschlossenheitsbescheinigung. Die Verwaltungsvorschrift dazu (AVA 2021) verlangt bei bestehenden Gebäuden eine Baubestandszeichnung. Die Behörde versieht diese Zeichnung als Aufteilungsplan mit Unterschrift und Siegel oder Stempel, beim elektronischen Antrag gelten eigene Regeln. Mehr dazu unter Pläne für die Abgeschlossenheitsbescheinigung und Aufteilungsplan lesen.

Quellen: HOAI Anlage 10, Leistungsphase 1; Bayerische Architektenkammer, Merkblatt 7 „Bauen im Bestand“, Stand 01/2021; AVA vom 06.07.2021, § 3 Abs. 3 und § 8 Abs. 2 und 3 (verwaltungsvorschriften-im-internet.de). Abgerufen 03.11.2026.

So ordnen Sie einen alten Plan ein

Schriftfeld lesen

Sehen Sie im Schriftfeld nach Maßstab, Datum und Bezeichnung. Steht dort „Werkplan“ oder „Ausführungsplanung“, haben Sie einen Plan aus Phase 5.

Vermerk der Behörde suchen

Ein Genehmigungsvermerk weist den Plan als genehmigte Bauvorlage aus. Fehlt er, kann es trotzdem ein Genehmigungsplan sein, etwa eine Kopie ohne Vermerk.

Maßstab und Maßdichte vergleichen

1:100 mit wenigen Maßketten spricht für Entwurf oder Genehmigung. 1:50 mit Wanddicken, Öffnungsmaßen und Höhenkoten spricht für einen Werkplan. Den Maßstab prüfen Sie mit dem Maßstabsrechner, die Maßketten lesen Sie wie unter Maßketten im Grundriss lesen beschrieben.

Hinweise aus den Merkmalen oben, keine Normregel. Quellen wie in den Abschnitten zu Genehmigungsplan und Werkplan.

Welcher Plan als Vorlage taugt

Für einen digitalen Grundriss zählt, wie viele Maße Sie lesen können. Haben Sie Werkplan und Genehmigungsplan vom selben Geschoss, nehmen Sie den Werkplan. Liegt nur der Genehmigungsplan 1:100 vor, arbeiten Sie mit den Maßen, die darin lesbar sind.

Mit FloorBotter laden Sie das Foto des Plans hoch, markieren die Ecken und tragen Referenzmaße ein. Daraus entsteht ein sauberer, bemaßter Grundriss, auch bei alten Papierplänen, solange die Maße lesbar sind. Fürs Exposé erstellt FloorBotter einen Marketinggrundriss. Ein Plan, der aus einer Vorlage rekonstruiert ist, ersetzt aber kein Aufmaß, wenn die Fläche rechtlich verbindlich sein soll. Wie Sie den Papierplan gut aufs Foto bekommen, steht unter Papierplan richtig fotografieren.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Genehmigungsplan und Werkplan?

Der Genehmigungsplan gehört zu den Bauvorlagen, die bei der Bauaufsicht eingereicht werden (Leistungsphase 4 der HOAI). Der Werkplan ist ein Ausführungsplan (Leistungsphase 5). Nach ihm wird gebaut, er soll alle Einzelangaben für die Ausführung enthalten. Das Lehrbuch Bautechnik Technisches Zeichnen nennt dafür den Maßstab 1:50.

Woran erkenne ich einen genehmigten Plan?

In Bayern bekommt der Bauherr mit der Baugenehmigung eine Ausfertigung der Bauvorlagen mit Genehmigungsvermerk (Art. 68 Abs. 3 BayBO). Bei Umbauplänen zeigen die Farben grau, rot und gelb den Bestand, das Geplante und den Abbruch. Bauzeichnungen für den Antrag sind in Bayern grundsätzlich im Maßstab 1:100 gezeichnet.

Was ist ein Bestandsplan?

Ein Bestandsplan zeigt ein Gebäude so, wie es steht, nicht wie es geplant war. Die HOAI führt die Bestandsaufnahme als Besondere Leistung, also als Zusatzleistung des Planers. Für die Abgeschlossenheitsbescheinigung eines bestehenden Gebäudes verlangt die AVA eine Baubestandszeichnung.

Welche Pläne liegen in der Bauakte?

Das ist nicht überall gleich. In München enthalten die Bestandsakten der Lokalbaukommission die genehmigten Baupläne und die Genehmigungsbescheide, aber keine Wohnflächenberechnungen. In München brauchen Sie für die Einsicht einen Grundbuchauszug, Bevollmächtigte zusätzlich eine Vollmacht.

Welcher Plan eignet sich als Vorlage für einen digitalen Grundriss?

Der Plan mit den meisten lesbaren Maßen. Liegt ein Werkplan vor, ist er die erste Wahl, weil dort alle Maße für die Ausführung stehen sollen. Ein Genehmigungsplan 1:100 taugt als Vorlage, solange seine Maße lesbar sind. Ein Aufmaß vor Ort ersetzt keiner von beiden.

Alten Werkplan oder Genehmigungsplan digitalisieren

Foto vom Papierplan hochladen, Ecken markieren, Referenzmaße eintragen. Neue Konten bekommen 30 Tokens zum Start, ein vollständiger Plan ist damit ohne Zahlung möglich.